Nebelkerzen

Als der Albig letztens mit dem Vorschlag für eine KFZ-Sonderabgabe kam hab ich lange überlegen müssen, was die politische Elite damit vertuschen möchte. Immerhin ist das eine massiv schwachsinnige Idee mit besonders hohem Potential für maximalen Blutdruck beim Wutbürger und eine solche Vorgehensweise hat sich in der Vergangenheit bewährt. Heute wurde es mir klar:

Ab Sommer könnten also Fingerabdrücke und DNA-Profile automatisiert abgefragt werden. […] Hierzu gehören nicht nur Meldedaten, sondern unter Umständen auch weitere polizeiliche Erkenntnisse, darunter “politische Anschauungen”, die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, Angaben zur Gesundheit oder zum Sexualleben. Selbst die Verarbeitung von Informationen zu “Rasse oder ethnische Herkunft” sowie “sonstige Überzeugungen” ist geregelt.

Zugriff werden neben FBI auch US-Geheimdienste und -Grenzbehörden haben.

moment mal

Snowden warnt, dass die Überwachung unsere Gesellschaft sogar weniger sicher mache. Wenn begrenzte Ressourcen damit vergeudet würden, „alles zu sammeln“, seien am Ende immer mehr Analysten mit „harmlosem politischen Widerspruch“ ausgelastet, statt wichtige Spuren zu verfolgen. So sei der „Unterhosenbomber“ Umar Farouk Abdulmutallab trotz der Warnungen seines Vaters an Bord eines Flugzeugs gelangt, während gleichzeitig Onlinespiele überwacht und deutsche Politiker abgehört wurden.
Source: http://heise.de/-2137589

Ähm. Ja. Genau das ist doch deren Geschäftsmodell. Der „Unterhosenbomber“ MUSS an Bord eines Flugzeuges gelangen. Und wenn das passiert ist, beten die Agents aller westlichen Geheimdienste, dass auch ja der Sprengsatz zündet. Nur wenn Ereignisse terroristischer Natur mit gravierenden zivilen Verlusten stattfinden, gibt es plausible Argumentationsgrundlagen gegenüber der Gesellschaft, die billionenschwere Überwachungsindustrie weiter auszubauen. Auf Kosten der Steuerzahler, zu Lasten der Freiheit des Volkes.
Genau aus diesem Grund tauchen auch alle paar Jahre mysteriöse, bärtige Gestalten auf Bahnhöfen auf um Koffer zu deponieren, woraufhin nichts passiert, aber alles gesperrt und entschärft werden muss, Verhaftungen gibts natürlich auch, aber nichts davon ist vernünftig transparent.
Ich hab das Vertrauen in den Staat längst verloren.

¡No pasarán!

Die Voßhoff wurde mit weniger als 55% zur Bundesdatenschutzbeauftragten gewählt. Da haben wir schlicht Pech gehabt. Das ist eine wirklich schlechte Nachricht für uns alle und das macht sich auch direkt bemerkbar:

Es werde ihr vor allem darum gehen, den „Bürgerdatenschutz“ im digitalen Zeitalter neu zu fassen und gegebenenfalls auch anzupassen. […] Die 55-jährige Juristin hatte als Rechtsexpertin der CDU/CSU-Fraktion „eine schnelle und wirksame gesetzliche Neuregelung der Vorratsdatenspeicherung“ als „dringend notwendig“ erachtet. (Source: http://heise.de/-2070310)

Nur damit mal klar ist über wen wir hier sprechen. Das hat zwar jetzt nichts mit Datenschutz zu tun, zeigt aber auf in welchem Jahrhundert diese Frau hängen geblieben ist. Gestimmt hat sie bspw. für jede Menge Militäreinsätze im Ausland, CO2-Speicherung im Erdreich, Kernkraft sowie Privatisierung der Wasserversorgung, Äckern, Seen und Wäldern, dafür aber gegen die Transparenz bei Nebeneinkünften (ist ja schließlich Datenschutz…). Wenn man ihre namentlichen Abstimmungen im Bundestag so verfolgt scheut sie offenbar den Konflikt und läuft gern der Massenmeinung ihrer Fraktion hinterher. Dem bei heise zu lesenden Argument von Thomas Stadler, man wolle hier einen ehemals aufwiegelnden Amtsinhaber durch eine Parteisoldatin gleichschalten kann ich demnach nur beipflichten. Was diese Besetzung aber tatsächlich so dramatisch macht ist ihre Einstellung zu digitalen Belangen die ohne Datenschutzmissachtung gar nicht durchführbar sind, denn Frau Voßhoff fordert:

  • Befugniserweiterung für Nachrichtendienste
  • Vorratsdatenspeicherung
  • Leistungsschutzrecht
  • Online-Durchsuchung
  • Contentfilter

Das heißt wir bekommen nicht nur jemanden der keine Kritik mehr übt, sondern viel fataler: eine in ihrem Wahlkreis gescheiterte Politikerin die sich aktiv für die Realisierung des gläsernen Bürgers einsetzen wird und die hahnebüchenen Forderungen des debilen NS-Nachwuchses nicht nur durchwinkt sondern gar verfechtet. Ich denke wir müssen uns warm anziehen, alternative Infrastrukturen aufbauen und verschlüsseln was das Zeug hält. Ab jetzt ist sich jeder selbst der Nächste…

Zur Wahl ein Kommentar von Roland Peters:
http://www.n-tv.de/politik/Vosshoff-erfuellt-die-Kriterien-nicht-article11947916.html

so gehört sich das

200 „Architekturfreunde“ fotografieren Wiener NSA-Villa

Auf Dauer wird auch das nichts bringen, aber um den Ami ab und an mal aufzuschrecken, warum nicht? Unser Hauptproblem ist doch eigentlich, dass die Invasoren in Europa tun und lassen können was sie wollen, weil sich kein Bürger dafür interessiert, was tatsächlich da getrieben wird. Doch Publicity ist deren Kryptonit.

Bürger dieser Welt vereinigt euch, fotografiert soviel amerikanische Architektur wie ihr nur könnt und dokumentiert sie im Web detailliert für unsere Nachwelt.

Der eigentliche Skandal wird hier aber nicht von der NSA erzeugt, oder von dem was sie da tun. Das es solcherlei Einrichtungen gibt ist klar, nur meist weiß man eben nicht wo sie sind, oder kommt nicht ran. Das skandalöse an diesem Fall ist das Verhalten der österreichischen Polizei.
Hier wird bewiesen wie maximal hochgradig egal Polizisten die Gesetzgebung und Rechtssprechung ist. Nicht nur in Österreich, überall. Cops legen keinen Wert darauf Bürger nach Recht und Gesetz zu schützen, sondern sie befolgen Befehle. Mehr nicht. Kaum einer protestiert oder verweigert illegale Einsätze. Solcherlei Handlangern kann man selbstverständlich keine hohen Gehälter bezahlen denn sie qualifizieren sich durch nichts, ein großes Maß an Bildung ist keine Grundvoraussetzung. Und wo sollen Respekt und Anerkennung herkommen, wenn Verachtung viel angebrachter ist?

Das Vertrauen in Cops hab ich vor deutlich über 10 Jahren verloren, als Augenzeuge massiver Gesetzesbrüche durch Beamte. Bis heut ist das nicht anders, es wird eher schlimmer. Doch wen will man da um Hilfe bitten? Noch mehr Cops? Identifizierbar sind die „Einzelfälle“ nicht wenn sie selber das nicht wollen, da bleibt nur eins: Zielpersonen eigenständig mit Grobkies zur späteren Erkennungsdienstlichen Behandlung markieren.

Stand Up, Fight Back!

Sehr gut zum Thema passt auch die Nummer mit dem Dagger-Komplex neulich:

TOR ist tot

Als nonplusultra zum anonymen surfen im Web wurde bisweilen TOR auf Platz 1 genannt. Dieses Tool ist diese Woche allerdings zum dritten mal dabei, bitte nicht wiederwählen!

Rund 80% aller Tor-Nutzer ließen sich schon nach 6 Monaten Betrieb eines mittleren Tor-Relays deanonymsieren. Wenn ein Angreifer den kompletten Verkehr eines Teilbereichs des Internet – etwa in Form eines Autonomous Systems (AS) oder eines Internet Exchange Points (IXP) – kontrolliert, müssen Tor-Nutzer mit einer 95-prozentigen Gefahr rechnen, dass ihre Identität innerhalb von drei Monaten aufgedeckt wird. Mehr Ressourcen unter Kontrolle des Überwachers beschleunigen den Vorgang.

Source: http://heise.de/-1949449

Da die NSA ihre Technik zum monitoren & knacken nicht selbst bezahlt, sondern dies der amerikanische Steuerzahler übernimmt, spielt Geld wahrscheinlich keine Rolle. Wir dürfen also davon ausgehen, dass das bis dato gern genutzte Argument „Crypto so sehr aufblähen, dass Attacken zu aufwändig werden“ nur noch äußerst bedingt greift.

Die Haltung des Aggressors: wer TOR benutzt macht sich per se verdächtig, denn offensichtlich hat er etwas zu verbergen. Demnach würde es mich nicht verwundern, wenn die Cowboys da mal richtig investiert haben und etliche Nodes betreiben.

Fraglich inwiefern JAP der TU Dresden oder I2P die sinnvolleren Alternativen sind:

BTW

Bevor das unter den Tisch fällt möcht ich ein paar Zahlen nennen, dir mir in den letzten Tagen begegnet sind:

  • die Bundesnetzagentur hat im vergangenen Jahr 36,3 Mio. Informationen über Anschlussinhaber (Name, Anschrift…) abgefragt und zahlreichen Behörden zur Verfügung gestellt. (http://heise.de/-1939675)
  • die NSA bringt es allein im Raum Washington innerhalb von nur einem Jahr auf 2.776 juristische Verstöße, laut Direktor John DeLong aber „unabsichtlich“ (http://heise.de/-1937632)
  • die NSA greift 75% des US-Internetverkehrs ab und analysiert dessen Inhalt (http://heise.de/-1939427)
  • die NSA kommt täglich weltweit mit knapp 30 TB Internet-Traffic in Kontakt und durchsucht davon 7,3 TB, das ist vergleichbar mit etwa 7,5 Mio Blatt Papier (A4) per Schreibmaschine gefüllt (http://qigh.de/iHBYp)
  • das Apothekenrechenzentrum VSA München verkauft Daten (legal aber beunruhigend) von 42 Mio. Patienten zur Auswertung an den US-Konzern IMS Health (http://qigh.de/mZBEk)

Da spielt schon fast keine Rolle mehr, dass die IT Rostocker Feuerwehren ausgehorcht wird. Die Wachen wurden anschließend ohne Durchsuchungsbeschluss gestürmt und Hardware illegal beschlagnahmt (http://heise.de/-1939179 sowie http://heise.de/-1940257):

Hintergrund ist offenbar, dass mit den beschlagnahmten Computern Informationen über Einsätze von Feuerwehr und Polizei an Medienvertreter weitergegeben wurden. Die Staatsanwaltschaft will das unter Hinweis auf laufende Ermittlungen gegenüber heise online nicht bestätigen, teilt aber mit, es seien „sensible, höchstpersönliche Daten“ betroffen, darunter „Datum, Uhrzeit, beauftragte Einsatzkräfte“ sowie „Namen der verletzten Personen, deren Adresse sowie eine Kurzbeschreibung der per Notruf erhobenen Verletzungen/Krankheitsbilder“.

Unsere gesamte Gesetzgebung ist eine einzige Farce…


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