// Wenn ich den See seh, brauch ich kein Meer mehr

Also diese Thematik erzwingt geradezu einen Kommentar meiner Wenigkeit. Ich gehöre zu dem erlesenen Kreis der jetzt fachsimpeln darf. Wirklich Senf dazugeben dürfen hier eigentlich nur altgefahrene von der Fock. Aber da ich vor nunmehr fast 10 Jahren selbst zur See gefahren bin und knapp 10.000 Seemeilen im Auftrag der NATO für die MCM Force South ansammeln konnte, weiß ich (im Gegensatz zu den Pazifisten-Oma's die Hitler zwar gut fanden, aber doch den Juden-Mord nicht wollten und den Kriegsdienstverweigerern von der Presse) worum es hier eigentlich geht.

Meine Damen und Herren Zivilisten: Auf der Gorch Fock werden Offiziere ausgebildet.

Natürlich ist der Ton dort rauh. Mir tut es Leid um das Mädel. Insbesondere für die Angehörigen ist das natürlich schwer. Aber von Mädchen wird hierzulande nicht verlangt zum Militär zu gehen. Wenn sie es doch tut, muss ihr und ihrer Familie klar sein, dass sie das möglicherweise mit ihrem Leben bezahlt. Möglicherweise war sie nicht geeignet sich durchzusetzen und klar und deutlich zu vermitteln, dass die Anforderungen ihre Fähigkeiten übersteigen. Von daher ohnehin nicht zum Offiziersdienst geeignet. Vielleicht aber auch nur ein Unfall. Die Wenigsten waren von uns dabei…
Von Offiziersanwärtern erwarte ich dennoch, dass deren Dünnhäutigkeit Grenzen kennt. Seemann zu sein hat wenig von der oft erzählten Romantik. Das wird man nicht weil im TV die Sonnenuntergänge immer so super aussehen. Sondern das muss man ernsthaft wollen. Man ist nunmal vorzugsweise bei Hacksee unterwegs. Schon allein um dem Gegner das Leben schwerer zu machen. 10 Meter Seegang und 8 Beaufort sind da keine Seltenheit. Wachwechsel alle 4 Stunden, Nässe, Kälte, permanentes stampfen und die ewig gleiche Geräuschkulisse der am Stahlrumpf berstenden Wellen und der dröhnenden Diesel. Zwischendurch „AAA, zur Übung: es brennt im Kreiselkompassraum“ … ja, natürlich. In dem hat's auch grundsätzlich immer nur gebrannt, wenn vor 2 Minuten der Oscar über Board ging oder grad Ruderversager war. Das Leck hingegen kam leider immer erst nachdem der Brand gelöscht war. Wer unter solchen Bedingungen eine Fregatte oder einen Zerstörer kommandieren will und dann nicht nur für die eigene Besatzung und das Millionen-teure Schiff, sondern auch noch für das Leben derer verantwortlich ist, auf die gerade die eignen Projektile zufliegen, der sollte meiner Meinung nach eine gewisse Streßresistenz mitbringen. Und hier kann man selbstverständlich nur in der Ausbildung aussieben. Welcher Marine-Ausbilder könnte denn bitte verantworten, wenn eine deutsche Fragatte im friendly fire von einem deutschen Kommandaten durch einen Volltreffer mittschiffs versenkt würde und dieser anschließend verlauten lässt „Ja, das tut mir wirklich Leid, aber die haben da auf der Brücke grad alle auf mich eingeredet, da bin ich durcheinander gekommen.“

Welcher Ton wäre denn stattdessen der Öffentlichkeit nach angebracht?

A) „Werter Herr Seekadett, dürften wir Sie untertänigst bitten, dabei zu helfen das Großbramsegel zu setzen, wir würden bei Gelegenheit gern dem Feind entkommen wollen.“
B) „Ist recht, Herr Obermaat … wenn Ihnen bei Seegang immer schlecht wird laufen wir heute selbstverständlich nicht aus.“

Mich persönlich wundert, dass man sich auf der Fock offiziell weigern darf in die Wanten zu gehen. Allein das ist schon eine Farce und wurde wohl nur eingeführt, weil sonst die Offiziere knapp werden. Und außerdem wundert mich, dass erst so wenig passiert ist. Okeh, in den letzten Jahren häuft es sich ein wenig, aber wenn man der allwissenden Müllhalde Glauben schenken darf, haben sich da erst eine Hand voll Unfälle ereignet. Das find ich reichlich wenig, wenn man bedenkt unter welchen Bedinungen die da arbeiten… Ich musste mal in den Mast weil ich eine Flagge ausrauschen ließ. Das waren so gut 15 Meter. Klettergeschirr war selbstverständlich Vorschrift, und freilich nur im Hafen an der sicheren Pier. Und dennoch ging mir ordentlich die Muffe. Bei der Gorch Fock reden wir von weit über 40 Meter Masthöhe, auf offener See. Das ist mit Sicherheit ein ganz anderes Kaliber. Aber nur weil man dem nicht gewachsen ist jetzt zu heulen, dass die Onkels alle böse sind und es außerdem zum Pudding keine Buchteln gibt … wo sind wir hier eigentlich?

Wem der gewisse Schneid fehlt hat bei der Marine nichts verloren. Erst recht nicht als Offizier.

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J T D A F
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