// Es werde Licht

Diese Telekomiker … immer einen Scherz auf Lager. Ihr neuester Coup:

Ab Herbst startet beim rosa Riesen das „Giganetz“ (whow) in 19 Metropolregionen wie bspw. Kornwestheim, Gummersbach oder Mettmann. Beworben wird der Dreck mit Slogans a la „Internet mit Lichtgeschwindigkeit, Fernsehen in Full HD und Telefonieren mit höchster Sprachqualität – alles gleichzeitig über einen Anschluss.“, dass ich das allerdings mit Kupfer und genügend Cache heute auch schon haben kann ignorieren wir mal.
Interessant ist das plakative Werbeversprechen von 200 MBit down- & 100 MBit upstream. In den angepriesenen Produkten zwei Seiten weiter ist dann allerdings schnell nur noch von 100 MBit down- bzw 50 MBit upstream die Rede. Das liegt daran, dass Fiber 200 nur eine Speed-Option darstellt, derer es 5,- € Aufpreis bedarf. Ganz klar wird zumindest der Begriff „Internet-Flatrate“ verwendet. Doch genau da beginnt der Hamster zu humpeln…

Der Konzern preist schamlos Online-Backups in die TelekomCloud und Urlaubs-Foto-Sharing an, alles in Sekundenschnelle erledigt, obwohls doch so große Datenmengen sind. In den AGB ist plötzlich von Bandbreiten-Capping die Rede. Im Klartext:

1.1.1.2 b) Variante Fiber 100

Garantiert: 90 MBit down bzw 45 MBit up
Ab einem übertragenen Datenvolumen (Down- und Upload) von 300 GByte innerhalb eines Monats wird die Übertragungsgeschwindigkeit des Internet-Zugangs für den Rest des Monats auf maximal 384 kbit/s für den Down- und Upload begrenzt.

1.1.1.2 c) Variante Fiber 200

Garantiert: 180 MBit down bzw 90 MBit up
Ab einem übertragenen Datenvolumen (Down- und Upload) von 400 GByte innerhalb eines Monats wird die Übertragungsgeschwindigkeit des Internet-Zugangs für den Rest des Monats auf maximal 384 kbit/s für den Down- und Upload begrenzt.

Nehmen wir mal einen kaufmännischen Monat mit 30 Tagen an, dann reden wir von 2.592.000 handelsüblichen Sekunden.

Konservativ betrachtet bedeutet das für Fiber 100 benötige ich ca. 455 Minuten um das 300GB-Limit zu knacken. Die 400GB bei Fiber 200 erreich ich bereits in etwa 303 Minuten. Witziger Weise bin ich ja seit je her lange Wartezeiten gewöhnt. So stört mich auch nicht dass ich für die zwei DVD-ISOs auf ihrem Weg zum vServer ein wenig Geduld mitbringen muss. Das Limit KANN man schnell erreichen. Danach heißts dann also 384 KBit und die kennen wir schon vom DSL Lite. Jeder der das benutzen muss wird bestätigen, dass damit heutzutage kein anständiges surfen möglich ist.

Die 152 Minuten Differenz der beiden Tarife sind in der Nachbetrachtung zu vernachlässigen, denn bei 384 KBit macht das quasi keinen Unterschied. In beiden Fällen kann man sagen, im restlichen Monat ist ein max Volumen von 117 GB möglich, was bedeutet dass ich in der Summe nicht mehr als 417 GB bzw 517 GB Traffic verursache. Natürlich beziehen wir uns hier nur auf Downstreams, aber die Telekommunisten wollen ohnehin nicht, dass ich als Privatanwender Content verbreite und Uploads würden die genannten Zahlen sowieso nur reduzieren.

Für mich unverständlich: wieso sollte ich ein Backup in die TelekomCloud machen, wenn meine Notebook-HDD bereits 500GB misst, die Externen noch gar nicht dazugezählt? Da fahre ich nach wie vor schneller und erheblich preiswerter, ich lagere meine Backups in einem Crypto-Container auf einer USB-Disk aus und verschließe diese kontrolliert in einem anderen Brandabschnitt, für Unbefugte unzugänglich.

Vergleichen wir das mal mit einem 16 MBit DSL via Kupfer von 1&1: hier zwingt man mir ein 100GB-Limit auf, welches ich nach 213 Minuten erreichen kann, im Anschluss beschränkt sich das Capping allerdings auf 1024 KBit im down- bzw. 128 KBit/s upstream, d.h. surfen ist zumindest noch möglich, wenn auch nicht besonders schnell. Selbst YouTube ist damit bereits kein Vergnügen mehr. Auf den zuvor erwähnten Monat kalkuliert kann ich es so auf max 414 GB bringen.

Das zeigt IMHO dass die Telekom vermeiden will ihren Backbone aufzubohren, nur weil FC jetzt auch auf der letzten Meile verlegt wird. Aus den deutlich schnelleren onDemand-Bandbreiten lässt sich aber ein super Produkt schneidern, welches natürlich optimierte Gewinnspannen verspricht.

Wir halten fest: Glas kauf ich nur, wenn ich hinreichend häufig in kurzer Zeit große Datenmengen transferieren will, das scheint mir mit Fiber 100/200 der Telekommunisten nur stark eingeschränkt möglich. Ganz im Gegenteil, sollte ich das Limit tatsächlich mal ausreizen, bin ich IT-technisch klinisch tot. Das ist aber überhaupt kein Problem, denn die Telekom bietet gegen Einwurf kleiner Münzen auch Surf-Sticks an ;)

Preislich bedeutet das folgendes für Web+Telefon: 16 MBit bei 1&1 erfordern 29,99 €, die 100 MBit der Tcom hingegen 44,95 € (5,- € Aufpreis für Fiber 200). Also hin wie her, MIR wär das zu teuer. Dann cache ich lieber in Zeiten, in denen ich das Web zu Haus nicht nutze. Dank DynDNS und VPN lässt sich das super remote steuern. Die jährlich gesparten 180,- € vernichte ich mit viel Spass an der Börse, kauf zweistellig Telekom-Aktien und jag die im Anschluss durch den Shredder.

Quellen:

Update@120321.1225

Auf Wunsch meines einzigen Lesers ergänz ich hier nochmal die theoretisch durchschnittliche Bandbreite pro Tarif. Dazu möcht ich anmerken, dass ich mich wohl in der oben angeführten Rechnung beim Kupfer-DSL mit 16 MBit verrechnet habe (nebenher lief DFB-Pokal Halbfinale, da kann man schonmal durcheinander kommen). Details gehen aus der folgenden Tabelle hervor. Da 1&1 keine Bandbreite garantiert nehm ich kurzer Hand mal die Verbindungsgeschwindigkeit die aktuell von meiner FritzBox angezeigt wird als Berechnungsgrundlage:

Provider 1&1 T-Com T-Com
Tarif 16 MBit DSL Fiber 100 Fiber 200
Bandbreite (downstream) 15.090 KBit/s 92.160 KBit/s 184.320 KBit/s
Bandbreite (capped) 1.024 KBit/s 384 KBit/s 384 KBit/s
Limit 100 GB 300 GB 400 GB
Limit erreicht in 55.590,5 sek 27.306,7 sek 18.204,4 sek
restliche Nutzungsdauer (capped) 2.536.409,5 sek 2.564.693,3 sek 2.573.795,6 sek
Traffic (capped) 309,6 GB 117,4 GB 117,8 GB
Traffic (max) 409,6 GB 417,4 GB 517,8 GB
durchschnittliche Bandbreite 1.325,7 KBit/s 1.350,9 KBit/s 1.675,8 KBit/s

Mich erinnert das an die Southpark-Episode „Coole Kühe“ in der Wachtmeister Barbrady fragt „Okay, okay, beruhigen Sie sich wieder! Einwohner von South Park, wollt ihr die Jahrmarktsleute zu Schwindel-Typen erklären?“ und alle rufen „Jaaa!!“

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