Das Ende einer Ära

Ich nutze privat ein T61 und im Office ein T440s. Mit beiden Notebooks bin ich wirklich, wirklich, wirklich mehr als zufrieden, beeindruckende Hardware. Alles drin und dran, robust, performant, ausdauernd, kompakt. Doch eins zeichnete sich bei diesem Generationsverlauf bereits ab: konnte man am T61 noch schrauben wie ein Blöder (Stichwort “Frankenpad“), reduzierten sich die möglichen Eingriffe mit jeder nachfolgenden Thinkpad-Generation gradatim. Die Thinkpads von heute sind bei weitem nicht mehr die Thinkpads von gestern, keine Frage. Dennoch bekommt man nach wie vor solide Hardware, sofern Geld keine Rolle spielt und man gewillt ist abstruse Mondpreise zu zahlen.

Vor gut 10 Jahren verkaufte IBM die PC-Sparte an den chinesischen Hersteller Lenovo. Das bestreben der Kommunisten nach Zensur und Regulierung in puncto Meinungsfreiheit waren bereits damals weitgehend bekannt, dass dunkle Wolken am Horizont aufziehen würden nur eine Frage der Zeit…

damals/heute

8. Februar: Auf Initiative des preußischen Vertreters im Bundestag, Otto von Bismarck, wird in der Krim-Krieg-Frage nicht etwa Mobilmachung gegen Russland, sondern bewaffnete Neutralität beschlossen.
Source: https://de.wikipedia.org/wiki/1855#Krimkrieg

Klingt nicht viel anders als heute, ist aber 160 Jahre her.
Geht noch weiter:

Während Russland allein einer Allianz aus Frankreich, Großbritannien, Italien (Sardinien) und dem Osmanischen Reich gegenüberstand, erklärten 1855 Preußen, Schweden und Dänemark erneut „bewaffnete Neutralität“ zum Schutze ihres Handels mit Russland und nahmen somit faktisch eine Russland wohlwollende Haltung ein. Das Einlaufen britischer Kriegsschiffe in die Ostsee und den Beschuss russischer Häfen verhinderten sie jedoch nicht.
Source: https://de.wikipedia.org/wiki/Bewaffnete_Neutralit%C3%A4t

Zur gleichen Zeit sah der Alltag in Amerika übrigens so aus:

nur um's mal festzuhalten...

Die Cops sind ja regelmäßig darum bemüht uns allen klar zu machen, was für Verbrecher wir eigentlich sind und dass, wenn man's genau nimmt, niemand von uns frei rumlaufen dürfte. Wir alle sind ein Sicherheitsrisiko für die öffentliche Ordnung, aus diesem Grund brauchen wir ganz viel Videoüberwachung, ein Verschlüsselungsverbot und die Vorratsdatenspeicherung. Um zu untermauern wie richtig sie liegen werden in Freiburg Verkehrskontrollen mit vorgehaltenen Maschinenpistolen durchgeführt und das gesamte Ruhrgebiet zur Gefahrenzone erklärt:

Was aber hat der Januar auf der Gegenseite zu bieten? Wir werden uns fragen müssen, ob wir mit der Auswahl unserer Cops grundsätzlich zufrieden sein können oder den Bewerbungs- und Monitoringprozess des dort eingesetzten Personals überdenken müssen. Solange welche von denen ohne gültigen Fahrausweis Bahn fahren und daraufhin vom Zugbegleitpersonal entfernt werden ist das ja noch amüsant. Aber wenn die Beweissicherung eines Mordes in Dresden unterlassen wird (Beweismittelmanipulation durch Behörden hat dort scheinbar Tradition), ähnlich wie bei den Kollegen der Kripo Erding, stattdessen in Leipzig illegal massenweise Mobiltelefone konfisziert werden und in Erfurt ein Kriminalhauptmeister verknackt wird, weil er Tote und Einbruchsopfer bestahl, deren Guthaben plünderte und obendrein noch gegen das BTMG verstieß, ist man schon den Tränen nah. Und wenn dann noch der 53-jährige ehemalige Leiter der Kemptener Drogenfahndung nicht nur 1,8 kg Kokain für den Eigenbedarf(!) hortet sondern auch noch seine Frau verprügelt, vergewaltigt und nun ganz viele Erinnerungslücken wegen der ganzen Drogen hat, ist's irgendwie vorbei. Das repariert mir niemand mehr…

Update 29.01.2015

Da hab ich den Monat wohl zu früh abgeschlossen, hier gibts noch Nachschlag von den Freunden und Helfern:

stand up, fight back

quote of the day

Die Kanzlerin verwies dabei auf die Beispiele Telemedizin und autonomes Fahren und fragte: „Wer wird einen fahrerlosen Autoverkehr organisieren, wenn er nicht weiß, ob ihm mitten zwischen Frankfurt und Mannheim irgendwann das Datennetz zusammenbricht, weil gerade Millionen von E-Mails Vorrang haben und die Sicherheit der Datenübermittlung nicht gewährleistet ist?“

Welch hohes Maß Erkenntnisisolation in nur einem Satz zu finden ist…
Quelle: http://www.golem.de/news/digitale-agenda-merkel-fuehlt-sich-im-neuland-verfolgt-1411-110343.html

Geschwätz von gestern

öffentlich-rechtliche Kriegspropaganda in der Selbstkritik vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Agitation von Dr. Kai Gniffke (Chefredakteur ARD-aktuell):

Die Kritik an unserer Ukraine-Berichterstattung hat ein Echo von bislang ungekanntem Ausmaß hervorgerufen. […] Wir widersprechen […] den Vorwürfen einer gezielten Desinformation […] Wir haben stets nach bestem Wissen und Gewissen sowie sorgfältiger Recherche berichtet. […] Doch bevor uns unsere Kritiker nun für arrogante Dumpfbacken halten […] Hier einige Punkte, die wir aufgelistet haben:

  • Mit dem Wissen von heute hätten wir manchen Akzent anders gesetzt und manche Formulierung anders gewählt […]
  • Möglicherweise sind wir zu leicht dem Nachrichten-Mainstream gefolgt.
  • Vielleicht hätten wir rechte Gruppierungen in der Ukraine früher thematisieren sollen.
  • Der falsche Hubschrauber war sehr ärgerlich […]
  • Wir hätten uns bei der Formulierung “OSZE-Beobachter” eher eine andere Formulierung wählen können.
  • Vielleicht haben wir die russischen Interessen zu wenig für den deutschen Zuschauer “übersetzt”.
  • Wir hätten evtl. die NATO-Position noch kritischer hinterfragen können.

Ausdrücklich haben […] unsere Korrespondentinnen und Korrespondenten […] hervorragende Arbeit geleistet. Sie haben zu jeder Zeit gewissenhaft recherchiert. Dabei ist klar, dass die Recherche auf Seiten der Separatisten zeitweise nicht möglich war und die Informationen der ukrainischen Seite interessengesteuert waren. Insgesamt haben sie exzellente Arbeit geleistet. […] Oft hilft die Frage “Wem nützt es?”

Source: http://blog.tagesschau.de/2014/09/29/zwischenbilanz-der-ukraine-konflikt-in-der-tagesschau

Für mich wirft diese Darstellung mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Klar ist in jedem Fall dass dieses Eingeständnis ohne äußerlichen Druck veröffentlicht wird und nicht objektiv sein kann, sondern sich möglichst oberflächlich auf die gröbsten Schnitzer beschränkt. Klingt als ob sich jemand reinwaschen wolle. Man gesteht höflich in einem kaum beachteten Blog, was eh schon alle wissen. Wenn die Berichterstattung beim Thema „Ukraine“ nicht sauber ist, warum sollte sie es dann bei den Themen NSU, NSA, IS, TTIP sein? Wird das Zwangsgeld der GEZ nicht gerade deshalb erhoben, weil solch manipulierende Berichterstattungen durch private Sender vermieden werden sollen? Warum erhebt niemand intern just in time seine Stimme?

Wenigstens kommen sie zum richtigen Schluss:
„Wem nützt es?“ … Die Liste derer, denen diese ARD-Berichterstattung genützt hat, ist lang und mit Vertretern westlicher Regierungen, Lobbyisten und Industriemogulen gespickt.

Update 02.10.14

Der Gniffke setzt noch einen drauf und korrigiert ein halbes Jahr nachdem die ARD russische Separatisten beschuldigte Zivilisten ermordert zu haben, dass es dann wohl leider doch westlich orientierte Ukrainer waren, die dieses Verbrechen verübten. Dass das heute keinen mehr interessiert spielt dabei keine Rolle. Die Empfehlung muss an dieser Stelle daher lauten: Bei jeder Meldung vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk gilt ab sofort eine Karenzzeit von 6 Monaten in welcher der Bericht möglicherweise negiert werden muss, oder auch nicht. Für lumpige 7,68 Milliarden Euro pro Jahr kann man von ÖR-Journalisten eben auch nicht mehr erwarten…

Absurd?

Während der häufig mit Fäusten am Kopf getroffene Bürgermeister von Kiew, bekanntermaßen Witalij Wolodymyrowytsch Klytschko, die deutsche Regierung bittet mit „ihrem KnowHow“ beim Bau einer 2.300 km langen Mauer mitten durch die Ukraine zu helfen schießt sich allen Ernstes eine Grundschullehrerin in Utah auf'm Klo selber in den Fuß (bzw. Bein, aber Fuß klingt lustiger).

Besonders amüsant an der zweiten Meldung ist, dass in der Folge des Pennsylvania Shooting vom 21. Dezember 2012 ein Mann (ich glaub von der NRA) mit einem besonders großen Hut, nämlich der hier:

2012-12-21_arming_teachers.jpg

noch am gleichen Tag bei Piers Morgan auf CNN forderte, alle Lehrer zu bewaffnen. Wegen der Sicherheit.


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